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Pfeif auf Geschlechterrollen – Hier tragen auch Frauen Bärte!

Pfeif auf Geschlechterrollen – Hier tragen auch Frauen Bärte!
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Geschlechterrollen sind im Cosplay eindeutig definiert. Frauen tragen oft knappe Outfits, zeigen viel Haut und stellen niedliche, weibliche Charaktere nach. Während die Männer Rüstungen tragen, Krieger oder Orks verkörpern und ihre Muskeln zeigen. Aber muss das so sein? Können nicht auch Frauen Ritter, Zwerge und Orks darstellen?

Geschlechterrollen sind tief in unserer Gesellschaft verankert und werden täglich unbewusst ausgelebt. Der Mann mäht den Rasen, während die Frau kocht. So läuft das einfach und viele Menschen scheinen das auch gut zu finden. Wenn man aber darüber nachdenkt, wieso wir in Schubladen denken, gibt es nur wenige sinnvolle Antworten. “Das ist einfach so” oder “Das ist eine Männer- / Frauen-Aufgabe” sind dann die typischen unbedachten Reaktionen. Zu eben diesen Attributen, die wir den Geschlechterrollen zuweisen, kommt die äußerliche Erscheinung hinzu. Frauen kleiden sich nun mal einfach immer “so”.

Zwergen-Frauen
Foto by Stefan Servos

Ja und SO kleiden sich Frauen auf der HobbitCon. Körperbetonte Outfits mit primärer Betonung auf die rundliche Mitte, schwere Äxte und vor allem: Bärte. Ob aufgemalt oder angeklebt, lang oder kurz, geflochten oder gekämmt. Bärte sind das Must-have-Accessoire auf der HobbitCon. Und das obwohl geschätzt 85% der BesucherInnen weiblich sind. Genau diese Nebensächlichkeit spielt hier aber absolut keine Rolle. Der Mythos aus dem Herrn der Ringe, es gäbe keine Zwergenfrauen, rührt daher, dass diese den männlichen Zwergen sehr ähnlich sehen. Es könnte aber vielleicht auch an ihren Bärten liegen.

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Die Vielfalt der ZwergInnen-Cosplays ist überwältigend. Und die mit Liebe zum Detail gestalteten Rüstungen, welche bis hin zu den kleinsten Applikationen den Filmkostümen nachempfunden sind, versetzen jeden Hobbit in pures staunen. Ob unter diesem Bart ein männlicher oder eine weibliche KünstlerIn steckt, interessiert hier niemanden. Oft erkennt man das, wenn überhaupt, erst an der Stimme oder bei der namentlichen Erwähnung des Künstlers auf dem Cosplay-Contest. Denn auch dieser wird dominiert von ZwergInnen. Diese Entwicklung rührt wohl unter anderem daher, dass die Stargäste der Convention jedes Jahr vor allem aus dem Cast der 13 Zwerge rund um Thorin Eichenschild stammt. Denn auf die Frage, wieso sie dieses Kostüm  gewählt hat, antwortete mir eine der bärtigen CosplayerInnen, sie habe sich sehr über den Stargast “Jed Brophy” gefreut und müsse deswegen unbedingt dessen Rolle – den Zerg “Nori” darstellen. (Bild dazu unten in der Fotostrecke)

Neben den Intentionen der Verkleideten, sind auch die Strapazen dieser Outfits sehr interessant. So ein Bart klebt sich schließlich nicht von selbst in das Gesicht. Geschweige denn eine künstliche dicke Knollnase oder die elegante Halbglatze des Zwerges Dwalin.

Female Dwarfs
Männer oder Frauen? Eindeutig Zwerge!

Das Thema Bart ist allgemein von großer Bedeutung bei dieser Veranstaltung. So trauert hier die Allgemeinheit immer noch um den abrasierten “Pornobalken”- den eleganten Schnurrbart des Moderators “Mark Ferguson”. Daher sind neben den aufwändig verkleideten ZwergeInnen auch einfache BesucherInnen mit aufgemalten Schnurrbärten unterwegs. So wird gemeinsam der Haarwuchs im Gesicht gehuldigt und sogar Smaug muss sich dem Gruppenzwang ergeben und lässt sich einen Pornobalken stehen.

Smaug mit Bart
By schad-foto.de

Nun ist aber die eigentliche Frage, wieso können hier Frauen und Drachen mit Bärten herumlaufen und niemand findet es abnormal oder unangebracht? Weil sich dieser Trend im Rahmen der Veranstaltung so entwickelt hat und Bärte hier unabhängig des Geschlechts ein Statussymbol darstellen, welches einem Ruhm, Ehre und Aufmerksamkeit einbringt. Die HobbitCon ist damit abgesondert, wie die Galapagos-Inseln, auf der die einzigartigen Darwinfinken leben. Nur leben hier die einzigartigen und wunderschönen bärtigen Frauen.

Dieses, meiner Meinung nach, wunderbare Beispiel dafür, wie sinnlos die verankerten geschlechterbezogenen Vorstellungen in der Cosplay-Szene sind, lässt sich kinderleicht auf unsere Gesellschaft übertragen. Wenn es auf einer Veranstaltung das Normalste der Welt ist, dass Frauen muskulöse und bärtige Zwerge darstellen, und dort niemand diese Kostümauswahl belächelt oder gar verspottet, dann ist es auch möglich, die sinnlosen Rollenvorstellungen in der Gesellschaft zu durchbrechen.

Frauen tragen Bärte und Männer vielleicht mal Kleider. Jedes Kinderzimmer kann rosa oder blaue Wände haben, oder sogar grün oder gelb. Unser Geschlecht definiert nicht wer wir sind und was wir tun oder anziehen sollen, das entscheidet jeder Mensch ganz für sich selbst. Also: In den Abfall mit diesen überflüssigen Rollenvorstellungen und dann feiern wir alle gemeinsam eine dicke Party und flechten uns Knicklichter in den Bart!

HobbitCon Party
Wenn Zwerge mit Uruk-hais feiern, kann auch die Polizei nicht mehr helfen.

Hier noch ein paar Fotos von der HobbitCon 4:

Fotos u.a. by schad-foto.de und Stefan Servos

Kommentar(2)

  1. What a fabulous article! Thank you so much for writing this so wonderfully. You have captured the spirit of HobbitCon so spot on – a place where people can enjoy themselves and their art regardless of gender (or any other socially imposed boxes for that matter). And also thank you for the wonderful pictures I really love them.

  2. Schöner Artikel, aber der erste Satz und die generelle Behauptung im Cosplay gäbe es feste Geschlechterrollen haut so gar nicht hin! Gerade im Cosplay sind Geschlechterrollen NICHT definiert. Was zumindest in Deutschland hauptsächlich daher kommt, weil anfangs hierzulande deutlich mehr und auch jetzt immer noch überwiegend Frauen cosplayen und die sich auch mal männliche Charaktere aussuchen 😉

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