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Die German Comic Con aus der Sicht eines Künstlers

Die German Comic Con aus der Sicht eines Künstlers
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Wir von der nerdLICH-Redaktion waren gleich zu dritt unterwegs auf der German Comic Con in Dortmund. Naja nicht ganz, ich saß eigentlich die ganze Zeit am Stand von Plem Plem Productions und habe fleißig Comics signiert und mit den Besuchern über meine Arbeit als Comiczeichner geplaudert. Mario, mein Kollege war hingegen tatsächlich unterwegs und wird euch demnächst u.a. ein tolles Interview mit Felix Mertikat präsentieren. Oliver, der am Sonntag unterwegs war wird auch die nächsten Tage was zu erzählen haben.

Jetzt aber zu meinem Rückblick: Wie bereits eingangs erwähnt, war ich nicht als Besucher auf der Messe, sondern als Zeichner am Messestand von Plem Plem, wo ich die neue Ausgabe von Mr. Kill präsentieren durfte, die u. a. eine von mir gezeichnete Kurzgeschichte enthält. Ich muss auch mal an dieser Stelle erwähnen, dass ich als Zeichner eigentlich selten auf Messen bin, zuletzt 2005 auf der Comicaction in der allerersten Zeichnerallee. Ansonsten habe ich es immer bevorzugt, als Besucher solche Events mit meiner Anwesenheit zu beglücken. Allerdings habe ich viel mit den anderen Plem Plem – Jungs über ihre Eindrücke geredet, und die sind ja regelmäßig auf Messen vertreten, zuletzt auch in Wien auf der Vienna Comic Con. Dazu habe ich mich auch viel mit den Besuchern unterhalten und gefragt, wie es ihnen so gefällt.

ralf
Die German Comic Con aus meiner Perspektive.

Ich fange mal kritisch an: Die ganze Organisation war recht chaotisch, das fing schon beim Aufbau an, wo eine Hand nicht wusste, was die andere macht. Und auch später schienen einige Mitarbeiter etwas überfordert. Zumindest die, die draußen waren, wußten nicht einmal wo der Eingang für Aussteller war. Ich habe ihn dann trotzdem irgendwie gefunden. Was mich besonders gewurmt hat, war die Promotion der Veranstalter im Vorfeld. Es wurde mehr Werbung für Gäste gemacht, die kaum bis gar nichts mit dem Thema Comics zu tun haben, und von Gästen, die tatsächlich dann etwas mit Comics zu tun hatten, habe ich dann teilweise erst vor Ort erfahren. Künstler, die dann auf eigene Initiative gekommen sind, haben gar keinen Support erhalten. Eigentlich schade, wenn sich eine Comic Con nicht um seine Comicgäste kümmert. Besonders, wenn der eine oder andere größere Comicverlag schon keine Lust hat zu erscheinen – was auch den Besuchern aufgefallen ist. Kein Panini-Stand mit den üblich verdächtigen Künstlern. Stattdessen gab es sehr viel Merchandise. An dieser Stelle muss man aber auch sagen, dass die Platzierung der Messe kurz vor Weihnachten und fast ohne Konkurrenz sehr schlau eingefädelt war. Das habe ich auch als Zeichner gemerkt, als ich dann das eine oder andere Weihnachtsgeschenk auf Papier zaubern durfte. Im Großen und Ganzen kann man viel meckern, was auch viele Kollegen tun, aber vieles kann man dann auch verzeihen. Es war immerhin die erste Comic Con und wenn die Veranstalter es schaffen, die Mängel beim nächsten mal zu beheben, dann ist das in Ordnung.

Aber trotzdem nochmal zum mitschreiben liebe Comic Con:

Mehr Support für die Comicgäste auf der COMIC Con, denn ohne uns wäre es ja keine COMIC Con!!!

Changer
Der Changer-Co-Schöpfer Thomas Wagner bei der Arbeit.

Das mit den Mitarbeitern, die hoffnungslos überfordert waren, ist auch ein zweischneidiges Schwert. Denn das ist wohl das Ergebnis davon, dass die Messe zweimal (einmal davon kurz vor der Messe) jeweils um eine Halle erweitert wurde, und so nicht all das Personal rechtzeitig geschult werden konnte. Dass die Messe aber vergrößert wurde, war auf jeden Fall die richtige Entscheidung, also hier mein erstes Lob.

plemplem
Thomas Wagner (li.) und Christopher Kloiber (re.)

Womit wir auch zu den guten Eindrücken kommen: Insgesamt war die Messe sehr gut, zumindest von meiner Warte aus. An Besuchern, die sich für unsere Comics interessiert haben, hat es echt nicht gemangelt. Die Lage unseres Standes war sehr gut und wir wurden von allen Seiten belagert. Der erste Tag war noch etwas ruhiger, als der zweite, weil wohl die meisten Besucher an irgendwelchen Schlangen angestanden haben, aber insgesamt war viel los. Mein Mr. Kill – Sonderheft war am zweiten Tag direkt ausverkauft, so, dass die Besucher mich gleich auch noch arbeitslos gemacht haben. Die Zeit habe ich dann genutzt, um mir die anderen Verlage anzuschauen. Carlsen war leider hinter einer Wand versteckt, was wohl nicht ganz so günstig war. Pyramond, ein anderer Indie-Verlag, hat sich zur Artist Alley gesellt, mit einem kleinen gemütlichen Stand. Und Cross Cult? Cross Cult war klasse! Bereits im Vorfeld hat sich der Verlag an unsere Redaktion gewandt und uns u.a. das Interview mit Felix Mertikat vermittelt, ein großes Dankeschön hier an dieser Stelle! Die Lage ihres Standes (den sie sich mit Splitter und Tokyopop geteilt haben) war auch sehr angenehm und zugänglich von allen Seiten. Auch die eingeladen Künstler wussten die Besucher zu unterhalten. So zumindest mein kurzer Eindruck.

nikolo
Auch der Nikolo, alias Marc Blinn, war fleißig am Zeichnen.

Hat es sich gelohnt? Für mich auf alle Fälle! Mir ging es um das Event selbst, die üblichen Cosplayer bewundern, die ja sehr von den Veranstaltern erwünscht waren und viele, nette Leute kennen zu lernen. Beides hat wunderbar geklappt. Die Besucher, die unseren Stand besucht haben, haben sich auch sehr für meine Arbeit interessiert. Dass wir dann auch alle Mr Kill #2 – Hefte losgeworden sind, zeigt das ja wunderbar. Auch für die anderen “Plem Plems” hat es sich gelohnt. Für Tommy, den Zeichner von Changer und Mr. Kill #1 war es “die beste Messe ever”. Von anderen Künstlern und Verkäufern an anderen Ständen gab es gemischte Worte. Für die einen ein ebenso großer Erfolg, für die anderen eine Pleite. Warum gehen da die Ergebnisse meiner Befragung so stark auseinander? Ich bin mir nicht ganz so sicher, da müsste man die ganz kritischen näher befragen und näher unter die Lupe nehmen. Vielleicht lagen ihre Erwartungen zu hoch, oder ihr Angebot oder die Lage ihrer Stände hat nicht ganz so gepasst. Mal schauen, was die nächsten Tage ans Licht kommt, wenn sich andere zu Wort melden.

Unsere Comics gibt’s übrigens auch online im WhoaShop!

Ralf Singh Mein Name ist Ralf Singh, ich bin selbst Comiczeichner und versuche hier bei nerdLICH soviel zum Thema Comics zu erzählen, wie es nur geht. Dabei möchte ich besonders zeigen, dass es auch außerhalb von Marvel und DC hochqualitative Comics gibt. In einer kleinen Podcastreihe möchte ich insbesondere deutsche Künstler und ihre Projekte vorstellen.

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