Nerds in Qurantäne – Tag 3 mit Kirby

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Die NERDLICH-Redaktion befindet sich in selbstauferlegter Quarantäne. Das heißt, wir bleiben Daheim und ihr hoffentlich auch! Wie wir die Zeit nutzen oder zumindest irgendwie überbrücken, ohne dabei noch wahnsinniger zu werden, als wir eh schon sind, verraten wir euch in unserer neuen kleinen Reihe: Nerds in Quarantäne. Am dritten Tag versuchen wir eine Änderung Kirbys Routine zu finden.

TAG 3: KIRBY

Meine Grundvoraussetzung ähnelt Julias: Ich habe stark introvertierte Tendenz und bin in meiner Freizeit viel zu Hause. Ich bin aber auch der Ansicht, dass bei meiner Arbeit im Hort meine Sozial-Energie größtenteils aufgebraucht wird. Klar, einmal die Woche sitze ich sonst noch mit meiner besten Freundin zusammen und wir arbeiten mal mehr mal weniger produktiv. Und alle paar Wochen versucht außerdem meine D&D-Party den Tag zu überleben, was ja auch soziale Interaktion ist. Aber im Großen und Ganzen ist das der Löwenanteil meiner Live-Interaktion mit anderen annähernd humanoiden Lebensformen (meine Mitbewohnerin mal außen vor gelassen).

Stört mich das? Jein. Es gibt Momente, in denen ich mir wünsche, sozial aktiver sein zu können. Allerdings habe ich im Laufe der Jahre gelernt,mit meinen Ressourcen zu haushalten -manchmal sogar halbwegs sinnvoll- und mich nicht unnötig zu überanspruchen, nur weil das in dem Moment gerade eine gute Idee zu sein scheint.

„Kirby, das hört sich ja an, als sei dein Alltag allgemein eingeschränkt.“ In gewisser Weise ja. Ich bin ein ADHD-Alien, und zwischen Reizüberflutung und einem schreiend im Kreis laufenden Gehirn, bin ich es gewohnt, meine Freizeit primär in meiner Nerdhöhle zu verbringen.

WAS FÜR EIN ALIEN?

Ein Großteil meiner Interaktion mit Anderen läuft derzeit über Discord. Vor allem der Server zum Webcomic ADHD Alien macht einen großen Teil aus. Für Außenstehende wirken wir vermutlich wie ein hochgradig unfokussierter, zwischen Themen springender und allgemein etwas eigener Haufen. Und wir wissen auch,dass wir das sind.  Aber gerade wenn das zuhause bleiben unattraktiv wird, weil es einem alle Nase lang überall gesagt wird, dann tut es gut mit Leuten zu kommunizieren die verstehen, dass das ein Problem ist OBWOHL man es sonst nicht anders machen würde. Gerade dadurch, dass ADHS ein breites Spektrum an Problemen im Alltag mit sich bringt, vergeht trotzdem kein Tag,ohne das ich etwas Neues dazu lerne. Teilweise kommt das durch die Hyperfokus-Themen anderer Aliens, zum Teil aber auch durch Erfahrungsberichte. Bonuspunkte gibt es an dieser Stelle für Erkenntnisse der Kategorie „Ach,darum mache ich das auch immer?“.

Das schöne am Discord-Chat ist, dass der im Hintergrund passieren kann, während man andere Dinge tut. Und auf diesem Server nimmt es nicht mal jemand persönlich, wenn man mitten in der Unterhaltung abgelenkt wird und vergisst,dass man etwas gefragt wurde. Für uns ist das ganz „normal“.

© ADHD Alien | „Oh, I’m an alien, I’m an ADHD alien…“

ÖFTER MAL NICHTS NEUES

Neue Sachen sind spannend, aber sie erfordern auch einen Gewissen Energie-Aufwand, um sich voll reinzuhängen. Aktuell gehe ich daher lieber vorrangig meinen aktuellen Lektüre-Bestand erneut durch, anstatt das zu kleine Regal weiter zu füllen. Vielleicht finde ich auch endlich mal  die notwendige Motivation, meine Comic-Sammlung nicht nur zu sortieren, sondern auch zu archivieren? Leider ist das kein spannender Task, also an dieser Stelle keine Versprechungen.

Auf Netflix und Disney-Plus gucke ich vorrangig Dinge,die ich bereits kenne. Community, Ultimate Spider-Man, Avengers:Earth’s Mightiest Heroes und Der Tatortreiniger geben sich momentan die Klinke in die Hand.

Und beim Zocken erfreue ich mich an Ports von Spielen, die ich bereits eine Squillion Mal gezockt habe. Aktuell habe ich wieder einen leichten Hang zu völliger Over-The-Top-Action, Sparda sei Dank für Devil May Cry 3. Der Freestyle-Mode verbessert dieses Juwel übrigens tatsächlich noch ein gutes Stück, damit hatte ich ehrlich gesagt nicht gerechnet.

Auch Klassiker machen auf Molly Spaß (ja,meine Switch heißt Molly)

Nebenbei gibt es natürlich ab und an auch was auf die Ohren. Nein,ich werde nicht von meiner Mitbewohnerin verhauen, ich höre Dinge. Meine Spotify-Playlists verlieren eine nach der anderen ihre Themen, weil ich neue Songs,die ich grad hören will, einfach unüberlegt in die laufende Liste werfe. Alternativ lasse ich nochmal die Hörbücher der Dresden Files durchlaufen, in Vorbereitung auf neuen Stoff im Sommer. Diese werden im englischen Original von James Masters gelesen, was spätestens während des Wizard/Vampire-Krieges eine gewisse Ironie bekommt.

ARBEIT, ARBEIT

Bei der Arbeit herrscht momentan nur noch Notbetreuung, die selbst von den in Frage kommenden Eltern kaum beansprucht wird. Entsprechend kriege ich ab und zu mal die Info von meinem Chef,dass ich mal ein bis zwei Tage eingeteilt bin. Ansonsten bin ich glücklicherweise in der Luxussituation freigestellt zu sein, anstatt in Kurzarbeit zu fallen. Dennoch stoße ich dadurch auf meine ganz persönlichen Hürden. Durch mein ADHS habe ich eh nicht das beste Verhältnis zum Konzept „Verlauf der Zeit“. Ich stehe momentan häufig vor einer Frage, bei der ich sonst nur während der Schließzeiten lande: Welcher Tag ist heute?
Normalerweise habe ich durch die Arbeit zumindest einen gewissen Überblick, obwohl meine zeitliche Wahrnehmung sich in der Regel in „jetzt“ und „nicht jetzt“ unterteilt.

Wieso ist das ein Problem,wenn eigentlich eh alle zuhause bleiben sollen? Einkäufe wollen trotzdem erledigt werden und ich habe derzeit terminierte Ausarbeitungen als Ersatz für Klausuren einzureichen.
Mit hängen und würgen und „Tut mir leid,dass ich das erst um kurz vor Mitternacht einreiche, ich wusste nicht, welcher Wochentag ist.“, sowie einem Arbeitsangemessenen Mindestpegel an Koffeein lässt sich jedoch auch das bewältigen.

Treibstoff für die Koffeeinbasierte Lebensform in Einzelhaft (besonders, wenn man kein Fan von Heißgetränken ist)

ALEA IACTA EST

Eine der größten Einbußen für mich in den zunehmenden Einschränkungen ist der Einfluss auf meine D&D-Runde. Natürlich habe ich ähnlich wie Pascal auch noch eine zusätzliche Online-Runde. Ich persönlich finde allerdings, dass das so ist wie eine Aspirin zu nehmen, wenn man normalerweise Morphium verschrieben bekommt. Versteht mich nicht falsch: Ich habe großen Spaß in der Runde. Aber es ist dennoch nicht annähernd so befriedigend wie tatsächlich meine Würfel rollen zu lassen.

Zur Ergänzung des Ersatzfixes schaue ich momentan auch mal wieder Aquisitions Incorporated, welches mir persönlich etwas mehr zusagt als Critical Role (das könnte allerdings auch der unter „Öfter mal nichts Neues“ beschriebene Effekt sein). D&D Regelbuch-Autoren dabei zusehen, wie sie „That Pat Rothfuss-Bullshit“ handhaben kann für mich gerade momentan schnell zum Tageshighlight werde.

Alles in allem hat die Quarantäne nur einen sehr minimalen Einfluss auf meinen Tagesablauf, wenn man sie mit einem „normalen“ Tag vergleicht. Allerdings zeigen sich bei näherem hinsehen doch Unterschiede zum regulären Leben. Tatsächlich gelang es mir dennoch, dem aktuellen Zustand einen positiven Aspekt abgewinnen können: Seit rund drei Wochen wurde mir beim Einkaufen in der Kassenschlange kein Wagen mehr in die Hacken gehauen, da die entsprechenden etwas…. lebenserfahreneren Mitkunden sich offenbar besser an die 1.5 Meter Distanz erinnern können als ich und sich nicht ständig wundern,warum alle zurückweichen, wenn sie sich bewegen (das ist weniger gleichgültig als es klingt, ich muss mich nur mehr konzentrieren als andere, damit ich nichts vergesse, um keinen unnötigen zweiten Trip starten zu müssen).

Nichtsdestotrotz hoffe ich, dass wir bald wieder zur „Normalität“ zurückkehren können, damit das zuhause bleiben wieder Spaß macht. Es mag an meiner neurodiversen Hirnchemie liegen, aber je öfter ich „bleib zuhause!“ höre/lese, desto mehr steigt der Impuls darauf auf eine Antwort zu geben, die ich jetzt hier aus Anstand nicht wiedergebe, anstatt einfach nur zuhause zu bleiben,wie ich es sowieso täte.

Das war ein kurzer Einblick in die Kirbys ganz persönliche Hürden in der Quarantäne. Bewältigt ihr die Zeit daheim etwas besser oder kämpft ihr mit ähnlichen Komplikationen?  Habt ihr Tipps?

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Über den Autoren/Über die Autorin

Erzieher, Comic-Geek, Spielkind,Serien-Junkie und Cartoon-Enthusiast aus Hamburg. In meiner Freizeit betreibe ich professionelles Binge-watching, lerne oder stopfe meinen Kopf mit fiktiven Charakterbiografien voll.

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