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Mit Cross Cult auf das Christkind warten

Mit Cross Cult auf das Christkind warten
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Ja liebe Freunde der Sprechblase, besonders wenn der Heiligabend auf einen Sonntag fällt und man schon im neuen Star Wars Film war, dann wird das Warten bis zum festlichen Gesang am geschmückten Tannenholz womöglich lang und länger. Aber ein packend erzählter und interessant gezeichneter Comic kann da helfen! Und unter den vielen Verlagen, die uns mit neuem Lesestoff versorgen, ist auch Cross Cult mit einem Füllhorn an Zeitvertreib für uns da.

Neben den neuen Büchern aus den Reihen Manifest Destiny und dem fantastischen Paper Girls (beide absolut lesenswert!) gibt es drei neue, sehr feine Sachen:

Ganz vorne: The Amazing Screw-on Head
Wer Hellboy kennt, hat sicher schon die grobschlächtige Präsenz von Mignolas Zeichnungen erlebt. Großflächige Schatten, klobige Finger und von Düsternis durchtränke Gewölbe. Der atemberaubende Draufschraubkopf ist genau dass, was man von einem guten Hellboy erwartet – nur gänzlich ohne Hellboy. Und in der zweiten Hälfte des Buches tauchen auch noch lovecräftige, schwebende Quallen auf. Erzählerisch immer auf dem schmalen Grat zwischen staubtrockener Verehrung an den klassischen Horror und der gerade noch verkraftbaren Überspitzung der Genre-Klischees. Der abgeschlossene Band versammelt einige Kurzgeschichten und einen Skizzenteil. Man muss Mignolas Art zu zeichnen und zu erzählen mögen oder man kann mit Hellboy halt nichts anfangen. Beides ist legitim, aber nur Ersteres macht Spaß. Und hier, weil Screw on Head ohne Hellboy-Erfahrung funktioniert, besonders gut.

Ganz düster: Blame!
Genauso druckfrisch: der zweite Band der sechsteiligen Hardcover-Ausgabe von BLAME! im Manga-ungewohnt großem US-Heftformat. Die wortkarge Odyssee von Kiri durch die Schluchten der vergehenden planetengroßen Stadt ist überwältigend hoffnungslos. Es scheint stereotyp: Einer kurzen Wanderung folgt irgendwann ein alles zerfetzender Schusswechsel oder eine andere Katastrophe. Für einen Manga ist Blame! eigenständig unperfekt. Die gedruckte Tristesse ist deutlich abgelebter als die des ebenfalls sehr zu empfehlenden Animes. Nach den Hintergrundstory-Bruchstückchen aus Band eins, scheint sich eine greifbare Handlung immer wieder durch die Explosionen durchzusetzen. In drei Monaten soll es weitergehen. Gut, dass bis dahin das zuckersüße Weihnachtsfest uns wieder an ein frohes und buntes Leben glauben lässt.

Ganz viel Fantasy: Seven to Eternity
Die Krise des US-Comics bringt derzeit einen Haufen fantastischer Comics hervor. Der Splitter Verlag hat mit LOW so einen Spitzentitel im Programm. Und in dieser Liga spielt auch Seven to Eternity. Es geht um Ehre, einen übermächtigen Despoten und eine Welt voller unbekannter Wesen und Regeln. Natürlich ist ein schwerer Verlust für den Helden der Anfang für seine Reise und er wird auf Gefährten treffen – es heißt ja nicht umsonst „sieben“ im Titel. Unbekannte Mitspieler mit unbekannten Fähigkeiten machen ein Mitdenken fast aussichtslos, hier muss man sich mit der Erzählung treiben lassen. Bis zum Ende des Buches, bis zur Gewissheit, dass diese Serie einen nächsten Band haben wird.

Wie immer, seht euch die Bilder im Internet an, denn Comics sind das wunderbare Spiel von Text und Bild. Immer eine Ansammlung von visueller und narrativer Qualität und bei beiden Zutaten können dem Leser gefallen oder nicht. Macht euch euer eigenes Bild und wenn es interessant genug aussieht, macht eure Händler in der Nähe, die Künstler und Verlage so glücklich, wie sie hoffentlich uns beim Abtauchen in fremde Welten machen.

Fantastische Weihnachten!

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