Review: Saints Row: IV – Re-Elected für Nintendo Switch

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„I‘m more of a puckish rogue.“ Die Saints sind zurück auf der Nintendo Switch, und das lauter, größer und abgedrehter als je zuvor. Nachdem sie in der Vergangenheit bereits die Kontrolle in 2 Städten erlangt haben, wird es nun Zeit für einen Einzug ins Oval Office. Zumindest für einen kurzen Moment.

Die Saints Row-Reihe wurde in der Vergangenheit häufig mit GTA verglichen. Entwickler Volition machte jedoch schnell deutlich, dass sie lieber ihr eigenes Süppchen kochen wollen, anstatt um den Titel des besseren Gangster-Epos zu konkurrieren. Entsprechend nahmen sich die Saints bald nicht all zu ernst. Ob sie nun die Herrschaft über Stadtviertel durch das Versprühen von Klärgrubeninalten erlangten, oder Bürgermeister Burt Reynolds -ja, DER Burt Reynolds- sie anheuerte, damit sie sich um das Zombie-Problem eines Stadtteils kümmern, der Charme liegt in der Absurdität.

Auch Saints Row IV folgt dem Prinzip „je verrückter, desto besser“. Während andere Helden, die auf eine startende Atomrakete springen, um sie zu sabotieren, ein großes Opfer bringen, landet der Saints-Boss wortwörtlich im Oval Office und wird zum Präsidenten gewählt. Und das war nur der Ausgang der Intro-Mission.

Nach einer Alieninvasion landen die Saints – die natürlich alle ebenfalls Jobs im weißen Hau… ehm, der „White Crib“, bekamen – in einem virtuellen Gefängnis, welches nur begrenzt subtil an die Matrix erinnert. Fans von Saints Row: The Third finden sich schnell zurecht, da eine große Portion des Spiels in einer virtuellen Simulation von Steelport stattfindet. Lediglich die persönlichen Gefängnisse der Saints und Abschnitte im Raumschiff der Zin sind potentielles Neuland.

© Deep Silver | „Kein Kommentar. Gibt es weitere Fragen?“

RECYCLING? WO BLEIBT DA DER WITZ?

Trotzdem wirkt die Simulation nicht wie simpler Copy & Paste-Job. Da Boss‘ Superkräfte dadurch entstehen, dass Kinzie die Simulation gehackt hat, beeinflusst die Nutzung die Simulation und verursacht minimale Glitches. Wenn die Saints einen Virus hochladen, wird der Einfluss in der direktem Umgebung noch deutlicher. Plötzlich werden Körper verzerrt, Fahrzeuge oder Passanten  bewegen sich kopfüber. Alles in allem entsteht ein Gefühl von Surrealität, welches man erwarten würde, wenn man wissentlich in der Matrix steckt.

Saints Row IV erhält einen großen Teil seines Charmes aus Humor. Dieser mag auf den ersten Blick oft etwas unreif wirken, erweist sich aber dennoch als überraschend stimmig. Zunächst sind die gelegentlich etwas dumpfen Sex-Witze im Vergleich zum Vorgänger in ihrer Menge etwas zurückgegangen. Und obgleich das häufige Fluchen die Gang nicht übermäßig kultiviert wirken lässt, hat Volition es dennoch geschafft, infantil zu wirken ohne kindisch zu sein.

Auch das Waffenarsenal ist amüsant anders. Natürlich gibt es die üblichen Pistolen, Schrotflinten, etc., soweit nichts neues. Aber wie oft darf man mit Alienwaffen spielen, die schwarze Löcher erzeugen? Oder wollt ihr lieber die Köpfe eurer Gegner massiv aufblasen? Und wer sich lieber musikalisch wehrt, für den bleibt noch die DubStep-Gun.

© Deep Silver | ehm, ja… das gehört auch ins Arsenal

Im Arsenal der Superkräfte findet ihr dagegen neben Sprüngen und Sprinten auch offensivere Talente. Telekinese, erderschütternde Stampfer, elementare Blasts sind nur ein Teil eurer Kräfte. Auch diese könnt ihr nach und nach verbessern, oder mit neuen Effekten versehen.

Das einzige Manko: Durch den frühen Erhalt des Sprints werden Fahrzeuge quasi direkt überflüssig. Ich persönlich habe lediglich in Ausnahmefällen auf einen Jet zurückgegriffen, wenn ich keine Lust hatte, irgendwo hochzulaufen/springen.

Dazu kommen Parodien aller Art: Abgesehen vom Matrix-Setting ist Saints Row IV voll von Anspielungen in alle möglichen Richtungen. Firefly, Terminator, Armageddon, oder Transformers sind nur einige Inspirationen, die sich finden lassen. Die Missionen, Outfits und Waffen lassen das Geek-Herz höher schlagen. Einzelne Nebenmissionen sind weniger subtil und zielen in ihrer Aufmachung direkt auf Pleasantville, Metal Gear Solid oder Streets of Rage ab.

Apropos Referenzen: Dass die Bonusstimme „Nolan North“ an verschiedenen Stellen andeutet, dass North sich selbst spielt, erinnert ein wenig an seine frühere Meta-bewusste Rolle als Deadpool.

Auch der umfangreiche Soundtrack findet guten Einsatz: Die Radiosender sind wie gewohnt nach Musikstil sortiert, doch ihr könnt euch wie im Vorgänger auch ein Mixtape aus allen Tracks zusammenstellen. Relevante Szenen nutzen den Soundtrack auch ohne Radio. Zum Beispiel Stan Bushs „The Touch“ auf dem Weg zum finalen Bosskampf. Und in manchen Missionen wird euch die Radiokontrolle temporär durch die Charaktere entzogen. Dies sorgt für schräge Sing-Along-Momente der Saints – mit einem unerwarteten Gastsinger bei Biz Markie‘s „Just a Friend“.

DER SWITCH-PORT

Saints Row IV ist kein neues Spiel. Erstmals erschien es 2013 für PC und Konsolen, während die vorliegende Re-Elected-Version 2 Jahre später für die Nachfolge-Generation erschien. Wie macht sich das ganze nun weitere 5 Jahre später? Tatsächlich lautet die Antwort hier: Erstaunlich gut. Die Button-Verteilung auf der Nintendo Switch weicht ein wenig vom gewohnten Schema ab – beispielsweise das Auswahl-Menü auf der A-Taste -, insgesamt ist es aber nicht so befremdlich, dass die Gewöhnung lange dauert.

Optisch würde ich es nicht als das schönste Spiel betiteln, das ich je gesehen habe, aber es sieht dennoch akzeptabel aus. Es wirkt optisch etwas rau, wodurch das Alter des Spiels zum Vorschein kommt.

Die etwas fade Optik liegt primär an der düster gehaltenen Simulation und lässt sich durch knallige Charakter-Anpassung leicht ausgleichen. Diese ist auch eine der größten Stärken von Saints Row IV. Die Möglichkeiten der Anpassung sind sowohl in der Charakter-Erstellung als auch in der Farbauswahl der Outfits gigantisch. Darüber hinaus kommen auch Waffen und Fahrzeuge mit der Option, sie nicht nur zu verbessern, sondern auch optisch anzupassen.

Trotz der vielen Möglichkeiten am persönlichen Look herum zu schrauben, läuft das Spiel auf der Switch flüssig. Sowohl gedockt als auch im Handheld-Modus hatte ich keine Unterbrechungen im Spielspaß (wenn man von lästigen Ladezeiten einmal absieht).

© Deep Silver | Ruckelfreie Rennerei

ALSO ALLES SCHICK?

Ein starkes Manko, das momentan für viel Unmut sorgt, sind jedoch die DLCs. Saints Row IV – Re-Elected ist das Äquivalent einer GOTY- oder Ultimate-Edition und beinhaltet technisch gesehen alle veröffentlichten DLCs.

Ich sage an dieser Stelle aus zwei Gründen ‚technisch gesehen‘. Nicht nur, dass die Switch-Version auf die gleichermaßen absurde Standalone-Expansion „Gat Out Of Hell“ verzichten muss -welches den Re-Elected Versionen der PS4 und Xbox One beilag -, zum aktuellen Zeitpunkt sind durch technische Probleme sämtliche anderen DLCs ebenfalls nicht verfügbar. Entwickler des Ports Deep Silver ist über das Problem informiert und arbeitet daran, aber dennoch ist es ein wenig unbefriedigend.

All Images: © Deep Silver
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Story
Soundtrack
Gameplay
Portierung
4.3 absurd gut

Saints Row: IV - Re-Elected ist ideal für jeden, der Spaß an Sandbox-Games hat, absurde Action mag, oder sich daran erfreut, wenn ein Medium sich selbst nicht allzu ernst nimmt. Die Parodien sind merklich positive Hommagen an die Originale, fernab jeder Böswilligkeit. Auch wenn man dem Spiel sein Alter ansieht, ist es doch ein überwiegend sauberer Port mit praktischer Missionslänge, um im Handheld-Modus während einer Mittagspause oder im Bus gespielt zu werden. Die Nebenmissionen, um die Kontrolle über die Simulation zu erlangen, sind abwechslungsreich genug, um nicht langweilig zu werden, was das Sammeln der Datensätze zum Verbessern der Superkräfte leider nicht unbedingt von sich sagen kann. Wären die DLCs zum Hauptspiel von Anfang funktional gewesen, wäre der Spielspaß noch größer ausgefallen, so entsteht nach Beenden der Story leider ein zwischenzeitlicher "und nun?"- Effekt, während das Problem behoben wird.

Perfekt für daheim und unterwegs!

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Über den Autoren/Über die Autorin

Erzieher, Comic-Geek, Spielkind,Serien-Junkie und Cartoon-Enthusiast aus Hamburg. In meiner Freizeit betreibe ich professionelles Binge-watching, lerne oder stopfe meinen Kopf mit fiktiven Charakterbiografien voll.

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