Die Freiheit der Töchter – Der schmale Grat der Gerechtigkeit

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Töchter der Freiheit

Die Welt von Avendúr wird von einer tyrannischen Königen ins Chaos gestürzt. Eine Geschichte von den Anfängen der Demokratie, Gerechtigkeit und Magie. Die Freiheit der Töchter erzählt eindrucksvoll vom Umschwung eines politischen Systems. 

KLAPPENTEXT

Die größten Liebesgeschichten werden mit Blut geschrieben!

Schöne Kleider tragen und lächeln – das ist alles, was Elodeas Leben noch ausmacht. Denn Elodea war Teil einer Widerstandsgruppe aus Studentinnen, die sich gegen die Tyrannenherrschaft in Avendúr gewehrt hat und deren Mitglieder nun getrennt voneinander an den Adelshöfen des Landes auf Linie gebracht werden sollen. Doch plötzlich bekommen sie eine neue Chance, für ihre Ideen zu kämpfen.

Gleichzeitig suchen auch andere im Kampf der Ideologien ihren Weg: Avian, der von seinem Vater in das Amt des Vorsitzenden der Kirche gezwungen wurde, obwohl er als Atheist nichts vom Glauben hält, unterstützt aus Angst um seine Familie die Herrschenden und wird dafür von seiner Schwester verachtet. Lyonel, der verschollene Bruder der Königin, der aufgrund einer Behinderung von seiner Familie versteckt wurde, will sich mithilfe der Rebellen im Untergrund seinen Thron zurückerobern. Isobel, die als Gräfin in den Adelsstand geboren wurde, im Herzen aber eigentlich Demokratin ist, schmiedet heimlich Bündnisse für einen Umsturz. 

Während Avendúrs psychisch labile Königin unbeirrbar ihre Ideologie der Herrschaft des Stärkeren verfolgt und das Land in einen Krieg führen will, verstricken sich die Rebellen immer mehr in einem Netz aus Schuld, Lüge und Verrat. Sie müssen sich entscheiden: Sind sie bereit, für ihre Ideale zu sterben?

MEINUNG

Der Debütroman von Theresa Jeßberger, Die Töchter der Freiheit, erzählt eindrucksvoll die Geschichte des Umschwungs in einem Fantasy-Setting mit einem Hauch von Magie. Wir folgen Elodea auf ihrer Reise und erleben, wie sie zu einer starken Persönlichkeit heranwächst.

Zugegeben, der Einstieg in die Geschichte war etwas langatmig und schwierig. Nach dem ersten Drittel jedoch, gewann der Roman an Spannung und konnte mich dann doch überzeugen.

Die Töchter der Freiheit erfindet das politische System nicht neu, interpretiert es aber gekonnt in einer von Magie angehauchten Welt. Zugegeben, die magischen Elemente spielen eher eine untergeordnete Rolle und haben wenig Einfluss auf die Geschichte. Wichtiger sind der Autorin die Vermittlung von Grundprinzipien und Werten der Gesellschaft. Unter der Betrachtung, dass es sich um ein Jugendbuch handelt, fand ich die Umsetzung jedoch wirklich sehr gelungen.

Die einzelnen Protagonisten sind gut herausgearbeitet und ihre Handlungen und Gedankengänge sinnvoll. Im Allgemeinen sind die Charakterentwicklung nachvollziehbar und zu jeder Zeit verständlich. Was die Hauptcharaktere ausmacht, fehlt leider den Nebencharakteren. Diese sind eher weniger sorgsam ausgearbeitet, was in der Geschichte an sich aber nicht stört.

Auch wenn der Klappentext eine romantische Geschichte suggeriert, ist dies mitnichten der Fall. Liebe spielt, zumindest im romantischen Sinne, eine sehr kleine Rolle. Viel eher ist der Zusammenhalt der Menschen, die Nächstenliebe, Freundschaft und Courage von besonderer Bedeutung. Auch dem elterlichen Beziehungsgeflecht gibt der Autorin eine neue Gestalt. So hat Elodea zu ihrer Familie ein eher schwieriges Verhältnis. Stattdessen ist ihre Meisterin Loreba, von der sie die Magie erlernt, wie eine Mutter für sie. In der Welt von Avendúr kommt die Beziehung zwischen Magierin und Schülerin einer Blutsverwandtschaft gleich und errichtet somit ein neues gesellschaftliches Geflecht.

Meinungsfreiheit ist eine weitere wichtige Thematik, die der Roman schon zu Beginn aufgreift. Dabei wird man als Leser unweigerlich mit der Frage konfrontiert, welchen Stellenwert die freie Meinung und das Konsumieren von Wissen überhaupt hat. Die Töchter der Freiheit greift wichtige Werte auf und verpackt diese in einem flüssig geschriebenen Roman. Gut gefallen hat mir auch das unweigerliche Zusammentreffen aller Protagonisten, welches sich für mich ganz natürlich zusammengefügt hat und an keiner Stelle im Buch forciert wirkte. Auch die zwangsläufige Frage nach Handlungen und Konsequenzen wurde, besonders gegen Ende, gut dargestellt.

Die Freiheit der Töchter ist ein in sich abgeschlossenes Jugendbuch mit einem ganz besonderen Thematik und erhält von mir eine klare Leseempfehlung.

 

 

 

FISCHER Kinder- und Jugendtaschenbuch

Fantasy
E-Book / Paperback
448 Seiten
ISBN: 978-3-7335-0641-4
Ersterscheinung: 24.06.2020

Cover und Klappentext © S. FISCHER Verlag

Vielen Dank an NetGalley und den FISCHER Verlag für das Rezensionsexemplar.

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Story
Charaktere
Setting / Worldbuilding
Schreibstil
4.2 lesenswert

Trotz des schwierigen Anfangs konnte die Freiheit der Töchter von Theresa Jeßberger voll und ganz überzeugen. Die Geschichte vermittelt anschaulich wichtige Werte unserer Gesellschaft und der Demokratie in einem klassischen Fantasy-Setting. Die Problematik ist zwar nicht neu, aber durchaus authentisch und nachvollziehbar beschrieben. 

Über den Autoren/Über die Autorin

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