The Dark Picture Anthology: Little Hope im Test

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Little Hope, der zweite Teil der Dark Picture Anthology, von Supermassive Games führt uns, statt auf ein verlassenes Geisterschiff, in das kleine, ebenso verlassene Städtchen Little Hope. Das da natürlich nichts mit rechten Dingen zugeht und nichts so ist, wie es zu sein scheint, ist bereits vor Spielbeginn klar. Was sich aber hinter den Geheimnissen von Little Hope verbirgt, wollten Para und ich selbst herausfinden und haben uns, wie es sich gehört im Dunkeln und mit den passenden Kopfhörern, gemeinsam in das ca. fünfstündige Spiel gestürzt. Hier erfahrt ihr, wie uns das Spiel gefallen hat. Lohnt sich der Besuch in Little Hope?

DER KURATOR IST ZURÜCK

Wie auch schon bei Man of Medan erhält man bei Little Hope die beste Spielerfahrung, indem man zu zweit spielt. Dafür ist ein PS-Plus-Account notwendig. Auch hier kann man jedoch alleine oder im Filmabend-Modus zusammen auf der Couch spielen. Para und ich haben uns aber auch diesmal, nicht nur bedingt durch die Coronamaßnahmen, für die erste Variante entschieden. Wie bereits im Vorgänger trifft man zuerst auf den Kurator, das verbindende Stück zwischen den einzelnen Teilen, der diesmal schon deutlich redseliger erscheint, als bei Men of Medan und gerne mal mit der einen oder anderen tiefgreifenden Frage oder Kritik an unserem Spiel um die Ecke kommt. Man muss den kauzigen Kerl einfach gern haben. (Also ich tue es auf jeden Fall). Dann beginnen auch direkt die Geschehnisse, die auch schon schön dramatisch beginnen, als der Busfahrer durch eine gesperrte Straße den Umweg durch Little Hope nehmen muss und dort plötzlich mitten auf der Straße ein kleines Mädchen steht. Um diese natürlich nicht umzufahren, reißt er blitzschnell am Lenkrad und baut dadurch selbst einen Unfall.

©Supermassive Games

FIGUREN ZUM LIEBHABEN

Man spielt bei Dark Picture Anthology – Little Hope, ebenfalls wieder mit einer Reihe an Personen, zwischen denen man als Spieler wechselt und für die man immer wieder mal mehr oder mal weniger wichtige Entscheidungen treffen muss. Dabei ist in diesem Teil, ohne zu viel zu verraten, die Persönlichkeit jedes einzelnen Charakters von entscheidender Bedeutung. Die einzelnen Charakterzüge sind aber auch so penetrant und klitscheehaft, dass man schnell Lieblinge oder naja, weniger liebenswürdige Charaktere findet. (Kleiner Spoiler und Anekdote aus unserem Spiel. Ich meinte gleich zu Beginn des Spiel, dass ich überhaupt gar kein Problem hätte, wenn diese eine Figur stirbt. Schlussendlich war sie dann tatsächlich die einzige Figur, die bei unsere Runde gestorben ist und es tat mir dann doch ein bisschen leid.) Natürlich kann man sich an den sehr eindimensionalen Figuren stören, aber andererseits gehört dies irgendwie zum Spielprinzip dazu, weshalb uns das nicht so gestört hat. Genauso wenig, wie die doch teilweise sehr dummen Sprüche und Kommentare oder Antworten, welche unsere Protagonisten manches Mal von sich gegeben haben. Da waren von unfreiwilligen Lachern, über unverständliches Kopfschütteln alles dabei. Ja, die Charaktere waren bei den Games von Supermassive Games aber auch immer etwas ganz besonderes.

©Supermassive Games

Und wo ist eigentlich der Busfahrer?

ABONDONED HOPE LÄSST GRÜßEN

Wenn man sich so langsam in Richtung von Little Hope begibt, beginnen auch plötzlich die Flashbacks und eine Geschichte rund um die Hexenverbrennungen in Little Hope im Jahr 1699 rücken immer weiter in den Fokus. Die Reisen in die Vergangenheit werden gerne mal durch einen jump scare begleitet und ja, selbst wenn man es weiß, wie ihr jetzt, wird es euch dennoch jedes Mal erwischen. JEDES MAL! Genauso wie die Momente, wenn sich plötzlich der Kamerawinkel von alleine ändert. BOOM! Jump scare! Manche erwischen einen, manche nicht, manche sind nervig, aber sie sind nie wirklich störend.

©Supermassive Games

Was hingegen wirklich störend ist und was sich gerne nach Man of Medan hätte ändern können, ist die Kameraführung. Was bei der Enge des Schiffes von Man of Medan unfassbar nervig war, ist auch bei der „offeneren“ Welt von Little Hope nicht viel besser. Die Kamera macht gerne mal, was sie will und reizte dabei stark an unseren Nerven. Vor allem, da man wirklich im richtigen Winkel zu manchen Interaktionsmöglichkeiten stehen musst, um diese zu betätigen, ist dies doppelt nervig.

 

LITTLE HOPE – DIE STADT DER UNSICHTBARE MAUERN

So, ist euch aufgefallen, dass ich die „offene Welt“ von Little Hope in Anführungszeichen gesetzt habe? Hier kommt der erste große Minuspunkt von Little Hope. Während es bei Man of Medan noch nicht so auffällig war, wir befanden uns schließlich auf einem Schiff, stößt es in diesem Teil jedoch arg auf: Es gibt keine offene Welt. Das Spiel ist ein langer Schlauch und zwar der Weg vom Bus zur Stadt. Ein gerade Weg von dem aus manches Mal eine Abzweigung abgeht. Was wir von Little Hope gesehen haben? Nicht viel. Ständig wird man durch irgendwelche Schleichwege zu irgendwelchen Anhöhen, Lichtungen oder Flüssen geführt, wo ein Trip in die Vergangenheit führt. Selbstständige Erkundungsreisen sind einem leider so gar nicht möglich, genauso wenig, wie die Möglichkeit einmal irgendwo anders abzubiegen. Das ist leider eine vertane Chance und hätte dem Spiel deutlich mehr Spannung und Tiefe gegeben.

Little Hope

©Supermassive Games

NOCH WAS ZUR SPIELMECHANIK

Ja, Little Hope spielt sich wie ein interaktiver Film. Du läufst rum, bzw. du folgst dem dir vorgegeben Weg, entdeckst Geheimnisse und triffst Entscheidungen. Dabei musst du auf kleinste Details achten, um alle Fäden zusammenzuführen und das Geheimnis um Little Hope zu entschlüsseln. Damit dies nicht zu entspannend wird und dir mehr Stress verursacht wird, als durch ein paar jump scares, tauchen ab und an auch mal ein paar echte Quicktime-Events auf. Wie auch schon bei Man of Medan können diese über Leben und Tod deiner Figur entscheiden. Zu meiner persönlichen Freude, ich bin da ganz ehrlich, werden diese in Little Hope jedoch kurz vorher angekündigt. Jetzt könnte man sagen, dass dadurch, der ganze Sinn eines Quicktime-Events dahin ist, aber die gehen so schnell, dass ich den großen Teil ohne Vorankündigung nicht geschafft hätte. Und seien wir mal ehrlich, wenn alles super läuft, du richtig gute Entscheidungen getroffen hast und alle Charaktere leben noch und dann stirbt einer, weil du in Eile statt Kreis das Dreieck gedrückt hast, dann ist das ein riesiger Frustfaktor. (Ich weiß wovon ich rede.)

HABEN WIR NOCH WAS ZU MECKERN?

Leider ja! Denn während kleine Bugs, wie die „interessante“ Kameraführung und das plötzliche Ändern der Sprache (wir haben mit deutscher Sprachausgabe gespielt), noch irgendwie unterhaltsam waren und uns als fließende Englischsprecher letzeres im ersten Moment gar nicht so richtig aufgefallen ist, gab es andere Momente, die wirklich gestört haben. Wenn ein Charakter sich plötzlich nicht mehr bewegen konnte zum Beispiel. Dies passierte einmal, als ich versucht habe einen Gegenstand an Paras Charakter zu übergeben, einfach so, ohne Grund.  Das Ende vom Lied? Wir mussten das Spiel neustarten. Oder, als in der finalen Sequenz sich plötzlich die Grafik in etwas verwandelt hatte, dass man im besten Fall noch als abstrakte Kunst bezeichnen konnte. Oder als sich plötzlich Szenen wiederholt haben. Sowas schmälert den Spielspaß leider ungemein. Deshalb haben Para und ich uns entschieden, erstmal auf ein paar Patches zu warten, bevor wir eine zweite Runde starten.

DAS ENDE VOM LIED

Denn ja, eine zweite Runde wird es definitiv geben. Denn auch, wenn uns Little Hope nicht so begeistern konnte, wie Man of Medan damals, hatten wir in diesen fünf Stunden eine Menge Spaß. Wir haben uns ordentlich erschreckt und das eine oder andere Mal wirklich kleine Panikmomente. Außerdem fehlen uns noch sehr viele Geheimnisse und die erste Runde hat uns mit einigen Fragezeichen zurückgelassen. Da gibt es noch einiges zu entdecken in Little Hope. Schlussendlich kennen Supermassive Games die Stärken ihres Spiels und wissen, wie sie Gruselfans unterhalten können. Wenn die Bugs erstmal gefixt sind, kann ich auch eine echte Empfehlung aussprechen. Jetzt gerade, würde ich jedoch eher noch ein bisschen warten.

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Über den Autoren/Über die Autorin

Ich bin eine Online-Redakteurin und Leseratte aus Hamburg, deren ganze Freizeit für Romane, Serien und die geliebte Playstation drauf geht. Wenn ich mal Zeit habe, schreibe ich selbst Geschichten und Beiträge oder nähe an Cosplaykostümen.

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