Review: Harley Quinn: Breaking Glass – Jetzt Kracht’s!

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Vor kurzem berichteten wir über Paninis neues Sublabel namens Panini Ink, welches Graphic Novels für Jugendliche zugänglicher machen soll. Heute werfen wir einen Blick auf Harley Quinn: Breaking Glass.

Harley Quinn: Breaking Glass ist kein Teil der wachsenden DC-Kontinuität. Vor einigen Jahren wäre die in sich geschlossene Story vermutlich unter dem Elseworld-Imprint erschienen, nun wurde sie stattdessen unter dem Ink-Label verlegt, das sich an jugendliche Leser richtet.

Entsprechend scheut Autorin Mariko Tamaki sich auch nicht, Harley eine neue Origin-Story zu verpassen und sie wieder zum Teenager zu machen. Doch nicht nur Harley begegnet uns im zarten Alter von 15 Jahren, auch andere bekannte Gesichter aus ihrem gewohnten Umfeld erfahren eine jugendliche Neuinterpretation.

ALTE UND NEUE GESICHTER

In Breaking Glass wird uns Harley als 15-jährige Teenie-Göre präsentiert, die sich in einem neuen Umfeld mit den Wirrungen der Jugend konfrontiert sieht. Während sie mit den allgemeinen Komplikationen des Lebens und der Frage nach ihrer eigenen Identität ringt, muss sie zudem versuchen die richtigen Entscheidungen zu treffen, als ihr neues Zuhause bedroht wird. Lasst euch aber von ihrem jungen Gesicht nicht täuschen: Harley ist quirlig und verdreht wie und eh, gemischt mit der gewohnten Prise verspielter Gewaltbereitschaft.

Wie es sich für eine anständige Harley Quinn-Story gehört, ist natürlich auch Ivy mit von der Partie, oder zumindest eine Version von Ivy. Ivy Du-Barry mag zwar keine Pflanzen kontrollieren, macht sich aber dennoch für die Umwelt stark. Entgegen gewohnterer Interpretationen des Charakters tritt ihr Umwelt-Aktivismus hier jedoch hinter energischem Feminismus und Protesten für soziale Gerechtigkeit in den Hintergrund.  Ihre energischen, aber friedlichen Prostete bilden einen starken Kontrast zu Harleys gewohntem „Macht kaputt,was euch kaputt macht“-Ansatz bei Problemen.

Über Mama stolpert Harley eher zufällig,als sie ihre Großmutter besuchen will, und nimmt das Mädchen spontan bei sich auf. Mit seinen Queens betreibt Mama eine Drag-Etablissement. Mama zeigt Harley, dass man sich nicht verstellen sollte, nur um anderen zugefallen. Unter den exzentrischen Queens fühlt Harley sich schnell heimisch und ist entsprechend bereit, soziale Grenzen zu überschreiten, um Mamas Theater zu retten.
In einer Origin-Story für Harley darf natürlich auch der Joker nicht fehlen. sein anarchistischer Einfluss bildet einen harten Kontrast zu Ivys Wirkung auf Harley, und die Protagonistin fühlt sich bald hin und her gerissen, wessen Beispiel sie folgen soll.

DIE STORY

Seit dem Tod ihres Vaters lebten Harley und ihre Mutter allein. Als ein neuer Job Mami Quinzel für ein Jahr auf ein Kreuzfahrtsschiff schickt, macht Harley sich auf nach Gotham, um bei ihrer Großmutter zu leben. Dort angekommen stellt sie jedoch fest, dass ein simpler Brief an Verwandte, von denen man ewig nichts hörte, scheinbar keine ausreichende Organisation sind.  In der Wohnung ihrer Großmutter trifft sie deren Vermieter Mama, der ihr mitteilt, dass ihre Großmutter vor kurzem verstarb. Unter der Bedingung zur Schule zu gehen, darf Harley jedoch bleiben.

Dort freundet sie sich schnell mit Ivy an, da Harley im Gegensatz zu ihren Mitschülern von Ivys Aktivismus nicht genervt, sondern fasziniert ist. Besonders an der reichen Familie Kane und deren Enfluss stört Ivy sich, und auch Mama hat auf unangenehme Weise mit ihnen zu tun. Die gesamte Nachbarschaft in der sowohl die Queens als auch Ivys Familie angesiedelt sind, ist gefährdet. Sie soll im Zuge der Gentrifizierung abgerissen und „vorzeigbar“ modernisiert werden. Harley reagiert mit ihrem natürlichen Hang radikal auf Unterdrückung zu reagieren in Frage, bis Ivy ihr nahelegt, dass Gegengewalt nicht der richtige Weg ist. Als sie jedoch den mysteriösen Joker trifft, bestärkt dieser jedoch eher ihre natürlichen Instinkte.  Harley fühlt sich bald hin und her gerissen,unsicher was der richtige Weg für sie ist.

WIE SIEHT’S AUS?

Steve Pugh liefert sehr solide Arbeit ab. Die Illustrationen ziehen Leser in ihren Bann und verstärken die emotionale Wirkung der Story. Die Charakter-Designs treffen den Ton der Story, während die Hintergründe je nach Bedarf zwischen Umgebung und Kontrast wechseln.

Besonders auffällig sind die häufigen Wechsel in Harleys Look. Ihre Alltagskleidung wirkt relativ stabil, aber während ihrer nächtlichen Aktionen durchläuft sie diverse Outfits. Sie verstärken den Eindruck, dass wir unsere Protagonistin in ihrer Findungsphase beobachten. Wir beobachten effektiv die Stufenweise Entstehung ihres  klassischen Harlequin-Looks,was ihre Entwicklung authentisch macht.

Auch das Design des Jokers sticht ein wenig heraus. Ich brauchte einen Moment, um seine stümperhaft gebastelte Maske einzuordnen, da sie auf unerwartete Weise an den New52-Joker erinnert. Letztendlich handelt es sich hier aber nicht um ein abgezogenes Gesicht,das er sich wieder umband. Bei genauerem hinsehen fühle ich mich an eine bemalte Plastiktüte erinnert, auf die er ausgeschnittene Augen klebte. Auf jeden Fall wird deutlich, dass es sich nicht um jemand vertrauenswürdigen handelt.

©DC Comics | Harley, Joker und seine Anhänger

Hinsichtlich der Farben sei noch gesagt,dass gerade rot einen gewissen Symbolismus erfährt. Gerade in Panels,die sich mit dem Thema der Kontrolle befassen, scheint es eine starke Präsenz zu zeigen. In Flashbacks kommt es besonders zum tragen, wenn Harley sich Ungerechtigkeiten beugen muss oder zurückschlägt. In der Gegenwart ist es ein Teil der Arbeit der Queens und des Jokers. Und natürlich wächst es auch in Harleys Outfit, je näher dies seiner Vollendung kommt.

TREFFER MIT DER ZIELGRUPPE?

Graphic Novels For Young Adults“ spricht neben dem Geek natürlich auch den Pädagogen in mir an. Wie passen also das Werk und die Zielgruppe zusammen?

Harley Quinn: Breaking Glass greift diverse Themen sozialer Relevanz auf und versucht diese, für Leser*Innen ab 13 Jahren ansprechend zu präsentieren. Ivy macht sich stark für Feminismus und Nachbarschaftshilfe, während sie im Unterricht zusätzlich ökologische Themen anschneidet. Die Queens bringen eine LGBTQ+-Komponente in Harleys Leben. Die Kanes machen sich für Gentrifizierung stark, ohne Rücksicht auf die sozial schwächer gestellten. Der Joker bestärkt Harley in ihren destruktiveren Tendenzen, während Ivy diese in Frage stellt.

Neben diesen erwachsenen Themen wirkt es fast surreal, wie häufig Harley auf „Popelfresser“ als Beschimpfung zurückfällt. Andererseits fällt dies zeitgleich genau in ihren üblichen, quirligen Charme.

Alles in Allem bekommen wir hier eine solide Coming-Of-Age-Story präsentiert. Harley lernt,dass die Welt weniger schwarz und weiß ist, als ihre Mutter es ihr in jungen Jahren nahelegen wollte. Ihre Handlungen haben Konsequenzen und nicht jeder ist an ihrem Wohl interessiert. Auch Elemente,die sich anfangs wie ein Nachträglicher Nebengedanke anfühlten, passen letztendlich doch ins Konzept.

 Mama eröffnet einen neuen Laden, während Ivy einen neuen Ansatz versucht, um mehr Gerechtigkeit im Filmclub der Schule zu erreichen. Wir erfahren leider nicht,wie diese neuen Ansätze sich im Laufe der Zeit entwickeln, was mir im ersten Moment nach unbefriedigenden Sequelhooks schien. Im Nachhinein muss jedoch auch sagen, dass auch das eine relevante Lektion des Heranwachsens ist. Wir bekommen nicht immer alle Antworten die wir wollen.

Daher lässt sich also abschließend sagen, dass Harley Quinn: Breaking Glass einen guten Job darin macht, jungen Erwachsenen eine Brücke von ‚kindlichen Comics‘ zu ‚erwachsener Literatur‘ zu bieten, und sie auf dem Weg dorthin ernst zunehmen.

Harley Quinn: Breaking Glass – Jetzt Kracht’s

Graphic Novel

208 Seiten in Farbe, Softcover

Panini Verlag

16,99 Euro

Bereits erschienen

Verlag: Panini Comic Deutschland

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Story
Artstyle
Zielgruppen-Eignung
4.6 gewaltig

Harley Quinn: Breaking Glass - Jetzt Kracht's! bringt das, was ich von einer Graphic Novel für Jugendliche/junge Erwachsene erwarte. Die Vielfalt an Konflikten und Themen bietet für viele Heranwachsende etwas, das für sie identifizierbar sein könnte. Gleichzeitig wird der Ton der Story auf einem Level gehalten, der sie auch für 'alte Hasen' zu einem angenehmen Lese-Erlebnis macht. Der Dialog macht klar, dass er sich an ein jüngeres Publikum richtet, ohne dabei von oben herab zu wirken. Eine gelungene Coming-Of-Story, die Jugendlichen eine neue Form von Bild-unterstütztem Storytelling näher bringen soll, und ein guter erster Eindruck für alle, die noch keine Graphic Novel in der Hand hatten.

Lass es krachen!

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Über den Autoren/Über die Autorin

Erzieher, Comic-Geek, Spielkind,Serien-Junkie und Cartoon-Enthusiast aus Hamburg. In meiner Freizeit betreibe ich professionelles Binge-watching, lerne oder stopfe meinen Kopf mit fiktiven Charakterbiografien voll.

1 Kommentar bei "Review: Harley Quinn: Breaking Glass – Jetzt Kracht’s!"

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